Der neue Freitag – Ein Meisterstück
Ich übertreibe nicht, wenn ich über den Neustart der Wochenzeitung Freitag sage: Ein Meisterstück.
Für die, die diese Zeitung nicht kennen: Es handelt sich um eine linksliberale Wochenzeitung, die 1990 durch Fusion einer Ost- und einer Westzeitung entstand. Linskliberal mit der Betonung auf links.

Kluge Köpfe schrieben meistens kluge Dinge aus einer aufgeklärten Perspektive durch eine sensible Brille über Politik, Kultur und das Leben in den großen und kleinen Zusammenhängen. Der Freitag war immer mehr eine Meinungszeitung als ein Berichtsmedium. Diskussion nahm breiten Raum ein. Und doch machte sich sowas wie ein Mief breit, etwas Altbackenes, den Änderungen der Zeit irgendwie doch hinterherschauend. Es war der Muff von knapp 20 Jahren. So mancher abonnierte die Zeitung nur noch aus Solidarität; sie durfte nicht untergehen.
Das machte sich auch wirtschaftlich bemerkbar, die Zeitung fuhr in einem unsicheren Boot und der Heimathafen war alles andere als ordentlich. Und so machte sich Jakob, der Sohn des früheren Spiegelchefs Rudolf Augstein daran, sein Erbe in die Zeitung zu investieren. Behutsam sollten sie sein die Veränderungen, so die Ankündigung. Man werde sorgfältig mit der Zeitung umgehen.
Und dann war es soweit: Der neue Freitag erschien. Es war nicht nur ein optischer “relaunch” (wie man in der Branche sagt). Nein es war eine Neugeburt. Beim lesen spürt man, da hat jemand eine neue Vision von Zeitung. Beim Versuch der Verbindung von Print und Online haben schon viele viel Geld in den Sand gesetzt. Der neue Freitag könnte das erste ernstzunehmende intellektuelle Produkt sein, dass diesen Spagat mit Bravour hinbekommt.
Schön ist, dass der Freitag in der Unterzeile endlich dazu steht, was er schon immer ist, Meinungsmedium.
Herzlichen Glückwunsch an Augstein junior und die (neue) Freitag-Redaktion.

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augstein schreibt in seinem blog, dass es für ihn eigentlich egal ist, ob ein text von einem blogger oder einem journaisten kommt. das ist doch mal ein ermutigendes anzeichen und weitsichtiger als all die vielen presse-schmierfinken, die ihr elitäres gehabe wichtiger finden als die heutige medialen möglichkeiten und ist-stände.